Digitale Zeitereise mit dem Stadtführer

Beschreibung der Funktion

Kernidee dieser Funktion ist es Veränderungen im Stadtbild zu zeigen, indem Nutzern eine Art digitale Zeitreise in die Vergangenheit und Zukunft eines bestimmten Ortes geboten wird.

Realisiert wird dies über ein Zeitrad, welches sich auf zuvor definierte Jahreszahlen drehen lässt. Jedes Jahr zeigt eine Momentaufnahme der jeweiligen Epoche. Die Zeitpunkte können auf unterschiedliche Weise und abhängig vom darzustellenden Ort oder Ereignis, beispielsweise mit Bildern, Animationen oder Augmented-Reality visualisiert werden.

Die Unterschiede zwischen Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart werden für den Nutzer an den Einsatzorten des Zeitrades auf leicht nachzuvollziehende Weise deutlich gemacht.


Thematischer Einsatz und Bezug

Eine Zeitreise bedeutet von vornherein auch Veränderung, der Einsatz eines Zeitrades hängt daher unmittelbar mit der Thematik zusammen. Auch das Sichtbarmachen von Vergessenem oder Verschwundenem ist die direkte Folge einer Zeitreise.

Eingesetzt werden kann das Zeitrad vorzugsweise an Örtlichkeiten, die einer häufigen Änderung unterlagen oder noch unterliegen. Wichtig ist hierbei die gute Recherchierbarkeit der einzelnen Zustände des Ortes. Beispiele sind daher vorzugsweise die seit jeher für Stadt und Bürger wichtigen Bereiche Bremens, wie der Marktplatz und dessen Umgebung, der Ansgarikirchhof oder das Areal um den heutigen Dom. Ziel ist es neben dem baulichen Wandel eines Ortes aber auch die sozialen Aspekte oder Bräuche einzelner Epochen zu veranschaulichen. Gutes Beispiel hierfür ist der Domshof, welcher sich von einer Hinrichtungsstätte zum Veranstaltungsort von Jahrmärkten gewandelt hat. Dieser starke Kontrast macht Orte und deren Wandel besonders interessant.

Für den Einsatz des Zeitrades, bezogen auf eine ganze Stadt und deren Veränderung in Größe und Form, bietet sich hier erneut der Einsatz alter Stadtpläne an. Sie dokumentieren die Veränderung im Großen und machen sie vorstellbar.


Gestalterische Umsetzung mit Animationen

Um eine einfache und intuitive Bedienung zu ermöglichen wird das Zeitrad, für den Daumen einfach zu erreichen, mittig am linken Bildschirmrand untergebracht. Gedreht wird es mit einer leichten Wisch-Bewegung nach oben oder unten. Die eingezeichneten Jahreszahlen sind mit den zuvor definierten Farben hinterlegt. Ein Pfeil auf der rechten Seite des Rades markiert die derzeit auf dem Display angezeigte Epoche.

Bei der Visualisierung der Inhalte muss darauf Wert gelegt werden, die verschiedenen Epochen eines einzelnen Ortes jeweils auf ähnliche Weise darzustellen – Videos, Karten oder Fotos also genauso wenig zu vermischen wie die gezeigte Blickrichtung zu variieren. Nur so ist eine einfache und gut nachzuvollziehende Vergleichbarkeit für den Nutzer gewährleistet.

Ziel einer besonders aufwändigen, dafür aber umso anschaulicheren Umsetzung auf Basis einzelner Animationen kann es sein eine Brücke zwischen TV-Dokumentationen über die Entstehung einer Stadt (z.B. Terra X 1) und dem Besuch des realen Ortes zu schlagen. Kurze 3D-Animationen in Verbindung mit entsprechenden Geräuschkulissen können für den Nutzer eine Art multimediales Zeitfenster in Vergangenheit oder Zukunft sein. Kurze Sprechertexte geben Informationen zu Besonderheiten der gezeigten Epoche, das Video zeigt neben dem baulichen Wandel vor allem das alltägliche Leben zur jeweiligen Zeit. Nützlich ist es, dem Nutzer hierfür eine genaue Position und Blickrichtung vorzugeben, die mit der in den Animationen gezeigten Richtung übereinstimmt. Gegenwart und die auf dem Display gezeigte Zeit werden damit besser vergleichbar.


Gestalterische Umsetzung mit Karten

Eine einfachere Einsatzmöglichkeit des Zeitrades bieten historische Karten. Diese zeigen auf überschaubare Weise den Wandel einer ganzen Stadt, haben aber einen eher informativen denn emotionalen Charakter.

Um trotz unterschiedlicher Zeichenstile historischer Karten eine leichte Vergleichbarkeit zu schaffen wurden alle in der vorliegenden Visualisierung verwendeten Karten einander farblich angepasst. Eine noch bessere Verdeutlichung des Wandels ließe sich mittels in einheitlichem Stil neu rekonstruierter Karten erreichen, würde jedoch auch höheren Aufwand erfordern.

Da der Wechsel zwischen den Karten Bremens nicht mit einem bestimmten Ort auf der Route verbunden werden muss, ist die Funktion in diesem Fall jederzeit über einen Button im Routen-Panel erreichbar. Der Nutzer hat damit die Möglichkeit, unabhängig von seinem Standpunkt, jederzeit herauszufinden, was sich hier in unterschiedlichen Epochen in etwa befand. Auch geplante Änderungen, beispielsweise in der Straßenführung, lassen sich mit Karten einfach zeigen.


Informativer Nutzen

Inhaltlich variiert der Nutzen dieser Funktion durch seine Umsetzung. Eine Umsetzung mit Animationen zielt vor allem darauf ab, Stimmungen zu transportieren und erlebbar zu machen. Hier werden klare Fakten zu einer Nebensache, und lassen sich vor allem über das Informations-Panel nachlesen. Der informative Nutzen liegt vor allem im Begreifen, wie anders Orte in anderen Zeiten, auch abgesehen von baulicher Veränderung, wirklich waren.

Eine Visualisierung mittels Karten hingegen gibt einen groben Überblick, kann jedoch auch auf bestimmte Orte, die einem sichtbar starken Wandel unterlagen, aufmerksam machen. Die Verbindung dieser Orte mit der, aus der normalen Kartenansicht bekannten Verwendung von Informationspunkten, macht eine Visualisierung mit Karten besonders informativ.


Reale Umgebung & Erleben

Die Unterschiede zwischen der Gegenwart, welche der Nutzer von seinem Standpunkt aus sieht, und der Vergangenheit oder Zukunft werden mit Animationen deutlich spür- und erlebbarer als es beispielsweise bei der Verwendung einfacher Fotos der Fall wäre. Bei der Verwendung von Animationen spielen daher vor allem Bildstimmung und die damit erzeugte Emotionen eine Rolle für das Erleben einer bestimmten Zeit. Wandel, auch im sozialen Sinne, lässt sich kaum besser zeigen.

Der Wechsel mittels Zeitrad in unterschiedlichste Epochen bietet einen vor allem gefühlten Mehrwert. Selbstverständlich ist die Verwendung einfacher Buttons oder eines Zeitstrahls genauso möglich, die Bedienung über ein häufig aus Filmen bekanntes Hauptelement von Zeitmaschinen erweckt jedoch den Eindruck, dass es sich um mehr als das Abspielen von Videos und Zeigen von Bildern handelt.


Aufwand

Der Redaktionelle Aufwand ist in dieser Funktion nicht zu verallgemeinern. Er variiert vor allem durch die Anzahl der im Zeitrad verfügbaren Jahre sowie durch die Art der Umsetzung. Auch gestalterisch muss zwischen den Umsetzungsformen unterschieden werden. Der Einsatz von Karten oder Fotos ist vergleichsweise schnell umsetzbar – die Verfügbarkeit historischen Materials vorausgesetzt. Die Umsetzung mit Hilfe kurzer Animationen bedeutet einen deutlichen Mehraufwand, ist jedoch auch ungleich beeindruckender für den Nutzer.

Aus technischer Sicht ist diese Funktion eher leicht umsetzbar, da abgesehen von der Bedienung mittels Zeitrad, ausschließlich herkömmliche Multimedia-Elemente Verwendung finden.


Portierbarkeit

Unabhängig von baulichem und sozialem Wandel lässt sich die Zeitreise-Funktion unter anderem auch zum Visualisieren klimatischen Wandels nutzen. So könnte das Klima an einem Ort zur Zeit der Dinosaurier ebenso gezeigt werden wie die voraussichtlichen Bedingungen in ferner Zukunft. Wenn auch nicht vorgesehen, so lässt sich das Zeitrad ebenso als Bedienelement nicht zeitgebundener Themen, wie zum Wechsel zwischen Vorschlägen aus einem Architektur-Wettbewerb, nutzen.


Video-Prototyp der Zeitreise

Einen guten Eindruck von den Möglichkeiten einer Zeitreise-Funktion in Stadtführern auf Tablet PCs gibt dieses Video. Durch das intuitive Drehen des Zeitrades in Kombination mit der automatischen Standorterkennung per GPS gehen die Jahrhunde Bremer Stadtgeschichte ineinander über. Der Nutzer kann sich nach Belieben zugleich in Zeit und Ort bewegen.

Zeitreise per Stadtführer-App durch die Bremer Geschichte