Ein Blick in den Untergrund: Verborgenes sichtbar gemacht

Beschreibung der Funktion

Der Untergrund-Explorer lässt den Nutzer unter Zuhilfenahme seines Tablet PCs einen Blick in den Erdboden, also durch Asphalt, Kopfsteinpflaster oder Wiesen, werfen. Dies macht die Darstellung komplett verschütteter, vergessener und unzugänglicher Gewölbe möglich.

Funktionieren kann dies durch eine Kombination der Analyse von Kamera-Bewegungen und einer vorbereiteten großflächigen 2D-Grafik. Vor dem Start der Funktion wird der Nutzer aufgefordert das Gerät waagerecht zu halten. Das Starten des Untergrund-Explorers hat daraufhin das visuell auf dem Display dargestellte Öffnen eines Loches zur Folge. Durch dieses Loch wird ein Blick auf das möglich, was sich (scheinbar) unter dem Boden befindet. Die rückwärtig integrierte Kamera erkennt anhand von Bodenstrukturen die X- und Y-Bewegungen des Tablet PCs und überträgt diese auf das in dem Loch dargestellte Bild. Das Bild bewegt sich also innerhalb eines durch die Größe des vorbereiteten Bildes definierten Bereiches zusammen mit dem Nutzer und erzeugt damit optisch den Eindruck eines Blicks in den Boden.


Thematischer Einsatz und Bezug

Für die Thematik des Unsichtbaren ist der Untergrund-Explorer besonders interessant. Ein Trick gibt dem Nutzer einen Eindruck davon, wie es unter seinen Füßen aussieht und welche Zeugen des Wandels der Untergrund bereithält.

Konkret ist die Funktion beispielsweise am Ort des lange vergessenen Bunkers in den Wallanlagen, an dem erst vor kurzem verschlossenen Brilltunnel oder auch in Verbindung mit der nie erbauten Bremer U-Bahn einsetzbar. Insbesondere in Altstädten ist diese Funktionalität auch deshalb interessant, da der Untergrund viel Zeugen der Vergangenheit bereit hält, die zwar durch Ausgrabungen dokumentiert, danach jedoch wieder zugeschüttet wurden. Der Untergrund-Explorer kann eine digitale Alternative zu den aus vielen Städten bekannten, in den Boden eingelassenen Glas-Fenstern sein.


Gestalterische Umsetzung

Einziges Bedienelement des Untergrund-Explorers ist ein zum Starten der Funktion nötiger Button, auf dem ein spiralförmiges Symbol das Öffnen des Bodens symbolisiert. Seine Position entspricht der des aus vorherigen Funktionen bekannten Kamera-Buttons.

Die Gestalterische Umsetzung des Bildbereiches setzt sich aus zwei Teilen zusammen: einer großflächigen Visualisierung des Untergrundes innerhalb eines Kreises und einer darum herum dargestellten Ansicht des durch die Kamera übertragenen Bodens. Die Übertragung des realen Bodens auf die äußeren Bereiche des Displays und die damit direkt sichtbare Kopplung der eigenen Bewegung an die des Untergrundes, macht den optischen Trick realistischer. Obwohl der Untergrund nicht viel mehr als ein sich bewegendes Bild ist wird es nicht als solches wahrgenommen. Auch der das Loch darstellende Kreis wurde in einer Art gestaltet, die mittels Schattierungen und abgeflachter Kanten den Eindruck eines Blicks durch den Boden verstärkt.

Die Umsetzung des gestalterischen Entwurfes erfolgt am Beispiel des Liebfrauenkirchhofs, unter dessen Kopfsteinpflaster ein heute nicht mehr sichtbarer Friedhof liegt. Dieser wurde in Ausgrabungen teilweise freigelegt und in zahlreichen Funden dokumentiert. Der hier gestaltete Untergrund ist jedoch nur beispielhaft und bedient sich dem Bildmaterial anderer Ausgrabungen.


Informativer Nutzen

Der Fokus des Untergrund-Explorers liegt eindeutig nicht auf Informationen. Neue Erkenntnisse zieht der Nutzer vor allem daraus an bestimmten Orten zu erfahren, dass auch eine Stadt ohne ein U-Bahnnetz unterirdische Geheimnisse bereithalten kann. Obwohl der Blick in den Boden auf einem optischen Trick basiert ist dieser eindrucksvoll genug, um bei seinen Nutzern, zusammen mit den dargestellten Orten, in Erinnerung zu bleiben.

Eine zusätzliche, hier nicht visualisierte, Möglichkeit detaillierter Informationen kann dennoch geboten werden, indem einzelnen Elementen des Untergrundes die aus den Karten-Ansichten bekannten Informationspunkte zugeordnet werden.


Reale Umgebung & Erleben

Der Bezug zur realen Umgebung ist für den Untergrund-Explorer essentiell. Nur durch die Übertragung der realen Boden-Strukturen auf Teile des Displays kann der optische Trick in angedachter Weise funktionieren. Da es vor allem um den Eindruck geht, den der Nutzer durch den vermeintlichen Blick in den Boden bekommt, ist eine exakte Positionierung am jeweiligen Ort nicht nötig.

Das Erlebnis, das durch den einzigartigen Blick in das Erdinnere geschaffen wird, steht im Vordergrund. Wichtig für das Erleben ist auch bei dieser Funktion, dass es sich bei dem Erkunden des Untergrundes um eine Aktion des Nutzers handelt und nicht um ein automatisch ablaufendes Video.


Aufwand

Je nach Anspruch an die Genauigkeit des dargestellten Untergrundes kann der redaktionelle Aufwand im Bereich der Recherche sehr hoch sein. Geht es, wie im visualisierten Beispiel, um eine symbolische Darstellung ist der redaktionelle Aufwand hingegen gering.

Auch der gestalterische Aufwand ist zu einem Großteil von dieser wissenschaftlichen Korrektheit abhängig. Reales, vertikal aufgenommenes Bildmaterial ist in vielen Fällen kaum verfügbar und muss daher unter Umständen aufwändig nachgestellt werden.

Da eine Positionsbestimmung mittels GPS nicht genau genug möglich ist um flüssige Bewegungen zu erfassen, muss geprüft werden wie aufwändig eine automatische Erkennung von Boden-Strukturen und die Ermittlung von Bewegungen daraus ist. Es geht keinesfalls um eine exakte Lokalisierung des Nutzers, sondern viel mehr um die Darstellung von flüssigen Bewegungsabläufen, die sich unmittelbar und möglichst exakt auf das Verschieben der Untergrund-Ebene auszuwirken haben.


Portierbarkeit

Portierbar ist die hinter dem Untergrund-Explorer stehende Idee auch auf die Vertikale, also auf einen Blick hinter Wände. Dies kann beispielsweise innerhalb von Schlössern interessant sein, da sich hier häufig versteckte Dienstboden-Gänge hinter den Wänden befinden, welche aufgrund ihrer Enge für Besucher nicht zugänglich sind.


Video-Prototyp des Untergrund-Explorers

Besonders anschaulich zeigt dieses Video, wie dem Nutzer eines Stadtführers auf dem Tablet PC ein Blick "hinter die Kulissen" bzw. in diesem Fall in den Untergrund einer Stadt gewährt werden kann. Und was kann interessanter sein, als einen alten Friedhof unter dem heute so bunten Bremer Blumenmarkt am Liebfrauenkirchhof zu entdecken...

Blick in den Untergrund, Stadtführer-App sei Dank