Wiedererkennungswert, individuelle Gestaltung und Co.

Die thematische Ausrichtung und das Design einer App hängen häufig eng zusammen, daher werden diese beiden Punkte hier zusammen behandelt.

Die Thematik der verglichenen Reiseführern ist in den meisten Fällen sehr ähnlich: sie hat keinen besonderen Schwerpunkt und bezieht historische sowie aktuelle Informationen genauso stark wie Serviceangebote mit ein. Dies spiegelt sich auch in der Gestaltung wieder, die von schlicht (Tourias Travel Guide) bis sehr modern (COOL Berlin) reicht, meist aber nicht für sich spricht, also keinen Hinweis darauf gibt, dass es sich um die Gestaltung einer Reise-App oder gar um ein bestimmtes Thema handelt. Viele Gestaltungen könnten somit problemlos auch für völlig andersartige Apps verwendet werden.

In der Entwicklung haben schlichte Interfaces, wie z.B. das von mTrip, den Vorteil eins zu eins für weitere Städte verwendet werden zu können. Eine Anpassung an die jeweilige Stadt ist dabei nicht nötig, da das Design ausschließlich dazu genutzt wird einen Markenauftritt zu geben, nicht aber individuell für eine Stadt zu stehen. Auch für den Benutzer kann dies von Vorteil sein wenn er eine der Marken auch andernorts nutzt und somit nicht erneut umdenken muss.

Auf der anderen Seite zeigt der Bremen Reiseführer, dass auch mit vergleichsweise geringem Aufwand eine ansprechende Individualisierung möglich ist: hier wird die Skyline Bremens in stilisierter Form für Header und Logo verwendet. Der Stadtführer an sich hat zwar eine eigenständige Gestaltung, ließe sich durch das Austauschen der Bremer Skyline aber problemlos auf andere Städte übertragen. Der Charme, den eine aufwändiger gestaltete App ausstrahlt, ist ungleich größer.

Die etablierten Verlage machen sich ihre Bekanntheit zu nutzen, indem sie das bestehende Corporate Design 1 weitestgehend auf die neuen Apps übertragen. Gerade bei dieser Art von mobilen Reiseführern erwarten die Benutzer eine gewisse Wiedererkennbarkeit 2, was die Entscheidung für die Art der Gestaltung nachvollziehbar macht.

Die Anpassung an einen bestimmten Ort wird bei den Reiseführern ohne bestimmten Themen-Schwerpunkt hauptsächlich über einen Austausch von Fotos im Begrüßungsbildschirm vollzogen. Anders ist es bei Guides die sich spezialisiert haben, beispielsweise bei Die Berliner Mauer. Hier wird, vor allem durch die verwendeten Graustufen und einem durchgängig verwendeten Mauerausschnitt im Hintergrund, eine deutlichere Anpassung an die Thematik betrieben. Für viele andere Themen wäre die triste und schwermütig wirkende Gestaltung unpassend, hier trägt sie aber zur Verdeutlichung bei.

Ähnliches gilt für Rick Steves’ Historic Paris Walk und ItalyGuides: Rome Travel Guide, wo Interfaces in ihrer Farbgebung und Struktur, wie auch die verwendeten Schriftarten an das Thema Geschichte bzw. Antike angepasst wurden. Ihre Gestaltungen wären kaum auf andere Themen übertragbar, sind im hier verwendeten Kontext einem stimmigen Gesamteindruck aber zuträglich. Die Verwendung eines Kompass-ähnlichen Menüs für die Bedienung von Rick Steves’ Historic Paris Walk mag zunächst ungewohnt sein, passt aber ebenfalls zum Themengebiet.

Design bezieht sich zwar zu einem großen Teil auf die Gestaltung der Benutzer-Interfaces, auf Logos und die Gestaltung des Startbildschirms, beinhaltet aber auch die unter Kartenfunktionen bereits beschriebene Verwendung eigener Kartenmaterialien. Diese Art der Individualisierung ist vor allem dann möglich, wenn nur ein beschränkter Bereich abgedeckt werden muss. Auch wenn eine eigene Karte häufig Einschränkungen mit sich bringt ist ihre visuelle Wirkung umso größer.