Herkömmliche Medien in Reiseführer Apps, der Status quo

Mit der Frage, welche weiteren Arten der einfachen oder unterhaltsamen Informationsvermittlung es neben den klassischen Multimedia-Elementen noch geben könnte beschäftigt sich das Kapitel Neuartige Funktionen. Hier geht es zunächst um die bereits bestehenden Techniken und wie diese bewusster für ein Thema eingesetzt werden können.


Text

Gerade die zunehmende Verbreitung von Tablet PCs verlockt dazu, die größeren Displays insofern auszunutzen, längere Texte zu verwenden. Das Lesen auf den großen Displays 1 ist deutlich einfacher als noch auf den kleinen Smartphones und technisch gesehen könnten die Inhalte ganzer Bibliotheken darauf Platz finden.

Deshalb muss bei der Konzeption eines Guides genau gefragt werden, was der Nutzer erwartet, was ihn begeistern würde. Wie viel Zeit wird für eine, durch den mobilen Guide vorgegebene Tour, eingeplant? Möchten die interessierten Personen mehrere Minuten an jedem Punkt stehen und viele Details erfahren oder stehen ein interessanter Überblick, das Gucken und Erleben im Vordergrund?

Vieles hängt, wie zuvor beschrieben, von der Zielgruppe ab. Besonders Personen höheren Alters ist die genaue Information wichtig. Für andere gilt, dass Texte eher kurz zu halten 2 sind . Lange Texte entsprechen dabei in etwa dem Prinzip von Informationstafeln, und lenken stark von dem eigentlich zu sehenden ab. Ein guter Stadtführer aber sollte das eigene Erleben der Umgebung unterstützen, nicht das eigentlich Sehenswerte in den Hintergrund drängen. Trotzdem können detailliertere Informationen besonders für die Vor- oder Nachbereitung nützlich und erwünscht sein. Diesem Zwiespalt kann begegnet werden, indem sich ausführlichere Versionen eines Textes oder ergänzende Beschreibungen optional zu den multimedialen Inhalten aufrufen lässt. Hauptinformationsquelle sollten sie jedoch nicht sein.


Bild

Bilder sind das einfachste Mittel der Visualisierung. Sie vermitteln schnelle Eindrücke, lassen aber häufig viel Spielraum für Interpretationen 3. Dies kann erwünscht, ebenso aber auch hinderlich sein. Mit einer Kombination aus Bildern und kurzen Texten zu arbeiten macht unter anderem dort Sinn, wo die Produktion aufwändigerer Inhalte nicht angemessen ist. Ein kompletter Guide, basierend auf Bildern und Texten, würde jedoch den klassischen Büchern entsprechen und somit nicht dem Ziel, Stadtführern eine neue Qualität zu verleihen, zuträglich sein.

Dass Bilder auf interessante Weise und mit nur kleinem Aufwand auch interaktiv eingesetzt werden können wurde im Beispiel der Vis-à-Vis Reiseführer bewiesen (siehe Interaktive und kommunikative Funktionen, Abs. 4). Ansprechende Fotos oder Illustrationen können jedem Guide somit zwar eine hohe Qualität geben, für sich alleine oder in Verbindung mit Texten aber kein Alleinstellungsmerkmal sein. In Kombination mit einfachen Funktionserweiterungen lassen aber auch sie sich innovativ einsetzen (siehe Foto-Slider und Detail-Bilder).


Video

Videos innerhalb mobiler Guides werden heute vor allem zur Darstellung historischem Video-Materials, kurzer Interviews oder anderen zur Thematik oder dem Ort passender Film-Clips angeboten. Zum Einsatz kommen sowohl bestehende, als auch speziell für den Stadtführer produzierte Videos. Letzte bedeuten, auch im Vergleich zur Produktion von Texten und Fotos, einen höheren Aufwand. Videos müssen nicht immer gefilmt sein, es kann sich genauso gut auch um 3D Animationen oder zeichentrickähnliche Filme handeln. Vorteil videoartiger Inhalte ist die Kombination aus Bild und Ton, welche dem Nutzer schnell und, ohne das er lesen muss, Informationen, Geschichten, Emotionen oder Eindrucke vermitteln kann. Videos können aber schnell auch uninteressant und langatmig werden – oder schlicht überflüssig sein, wenn beispielsweise nur das vor Ort mit eigenen Augen sichtbare gezeigt wird. Um aus herkömmlichen Videos innovative Elemente zu machen muss sich neben der Frage, was auf einem Video gezeigt wird, immer auch die Frage stellen wie etwas gezeigt werden könnte. So werden Videos bis dato ausschließlich und in bekannter Weise innerhalb eines als Video-Player erkennbaren Bereiches angezeigt. Mittels an die Thematik angepasster Schaltflächen aber kann beispielsweise die Bedienung einer Zeitmaschine entstehen (siehe Zeitreise), was dem Video-Player eine neue Bedeutung gibt. Das Verwenden von Videos innerhalbe eines Guides bietet somit zwar bereits einen deutlichen Mehrwert gegenüber Büchern, ist aber keinesfalls eine Innovation. Ähnlich wie bei den Bildern gibt es zahlreiche ungenutzte Möglichkeiten, Video-Inhalte interaktiv erscheinen zu lassen oder so zu gestalten und in das Konzept einzubinden, dass der Eindruck einer neuartigen Funktion entsteht.


Audio

Audioinhalte spielen in den verglichenen Guides eine eher untergeordnete Rolle und werden, wenn dann in Audioguide ähnlicher Weise eingesetzt. Für den Einsatz auf Smartphones sind Inhalte dieser Form praktisch, da das mobile Gerät während des Zuhörens in die Tasche gesteckt werden kann. Die Aufmerksamkeit des Zuhörers kann also ganz dem Gesprochenen und der dabei wahrgenommenen Umgebung gelten. Auf Tablet PCs ist ein derartiger Einsatz von Audiofunktionen grundsätzlich zwar auch möglich, lässt jedoch außer Acht, dass diese Geräte vor allem wegen ihrer großen Displays genutzt werden – welche im Falle bloßer Audioguide-Funktionalitäten ungenutzt blieben. Die Lösung ist eine Kombination von Audioinhalten mit den anderen Funktionen eines Stadtführers, die zwar das Lesen von Texten überflüssig macht, sich jedoch stark auf das auf dem Display sichtbare bezieht. Besonders bei starkem Sonnenlichteinfall ist das Lesen auf Displays schwierig und kann damit vermieden werden. Auch das Hinterlegen bestimmter Themenbereiche eines Guides mit dazu passenden Geräuschkulissen 4, wie der eines historischen Marktes, ist ein wichtiges Einsatzgebiet von Audioinhalten.