Reiseführer Apps und ihre Vorteile

Kartenfunktionen

Hauptvorteil aller aktuellen Reiseführer Apps gegenüber den gedruckten Guides ist die tiefe Integration von Kartenmaterial und Navigationshilfen. So folgen alle mobilen Reiseführer dem Prinzip Informationen auf einer Karte zu verorten, was für den Benutzer unterwegs den naheliegenden Vorteil bietet leichter zu dem gewünschten Ort zu finden.

Doch Karte ist nicht gleich Karte, und die damit zusammenhängenden Funktionen sind höchst unterschiedlich. Die meisten Entwickler setzen auf die Integration des Kartenmaterials von Google Maps, aber auch eigenes Kartenmaterial wird eingesetzt. Auffälligstes Beispiel hierfür ist das aufwändig illustrierte Kartenmaterial mit kolorierten Abbildungen ganzer Stadtviertel bei ItalyGuides: Rome Travel Guide, aber auch Rick Steves’ Historic Paris Walk mit einem an Schatzkarten erinnernden gezeichneten Stil. DK Eyewitness setzt ebenfalls auf eigenes Material: zum einen auf stark stilisierte Karten bei der Darstellung von Städten oder Stadtteilen, zum anderen auf handgezeichnete und detailgetreue 3D-Ausschnitte wichtiger Straßenzüge. Der bei diesen eigenen Karten nur begrenzt zu Verfügung stehende Ausschnitt ist nicht unbedingt von Nachteil, solange alle im jeweiligen Reiseführer vorkommenden Punkte abgedeckt werden und der Benutzer sich bereits im Bereich der Karte aufhält. Für die Navigation in die entsprechende Stadt wird der Benutzer gegebenenfalls sowieso ein eigenständiges Navigationssystem nutzen und nicht den Stadtführer selbst.

Häufig angewendete Kartenfunktion ist der Nearby- bzw. Entdeckermodus, wie diese Funktion in Die Berliner Mauer genannt wird. Hierbei werden dem Benutzer interessante Orte in seiner Nähe entweder auf der Karte oder in einer Liste angezeigt, oder er wird per Vibrationsalarm automatisch aufmerksam gemacht, sobald er sich in der Nähe eines solchen Punktes befindet. Dies ist vor allem nützlich, wenn keine vordefinierte Route genutzt wird und der Benutzer trotzdem nicht ausversehen an etwas interessantem vorbei laufen möchte. Diese Funktion setzt natürlich die Ortung des eigenen Standortes per GPS oder (weitaus ungenauer) per Funkzelle voraus. Ortungsfunktionen bieten immerhin 12 der 14 verglichenen Apps. Einzige Ausnahmen sind zwei der Apps mit eigenem Kartenmaterial, wo die Integration dieses Services weit aufwändiger ist.

In acht der mobilen Stadtführer werden vordefinierte Routen angeboten, welche es dem Nutzer ermöglichen auf einfachste Art die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abzulaufen, oder auch spezielle Themen-Touren oder Routen mit einer bestimmten Länge auszuwählen. So bietet der Bremen Reiseführer beispielsweise eine 60 Minuten Express-Führung zu den Highlights 1, MARCO POLO mit Ein Tag in Berlin sogar einen ganzen Tagesablauf als Vorschlag an. Die Möglichkeit eigene Routen zu erstellen gibt es in sechs der Apps.

Weitere Navigationshilfen sind in wenigen Fällen eingebundene Detailkarten und U-Bahnpläne, oder Schnittstellen zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Besonders übersichtlich ist die halbtransparente Einblendung des U-Bahn-Plans innerhalb des ItalyGuides: Rome Travel Guide.


Multimediale Funktionen

Multimedia bezeichnet den zeitgleichen Einsatz verschiedener Medientypen. Dies können im Fall der mobilen Stadtführer beispielsweise Texte, Audiowiedergaben, Videos oder Animationen sein. Texte und Bilder werden in jeder der Apps eingesetzt, da dies die einfachste Form der Informationsaufbereitung 2 darstellt. Videos und Audio-Funktionen werden hingegen nur in 6 bzw. 5 der Systeme angeboten. Dabei macht gerade die Möglichkeit bewegte und hörbare Inhalte nutzen zu können einen Hauptunterschied zu gedruckten Reiseführern 3 aus. Die Berliner Mauer-App erlaubt es vergangene Ereignisse an den jeweiligen Orten in bewegten Bildern zu sehen oder Zeitzeugen zuzuhören. Dies kann bei dem Besucher zu einem intensiveren Verständnis führen als wenn er nur einen Text liest. ItalyGuides: Rome Travel Guide wirbt gar damit ein Kino ähnliches Gefühl zu vermitteln:

“ItalyGuides.it reinvented audio-guides, giving them the feel of „Cinema“ instead of the academism of traditional ones, with movie-style music, narration by American voice actor Gregory Snegoff, images and video, dramatically enhancing the storytelling process.”Aus der App-Beschreibung von ItalyGuides: Rome Travel Guide 4

Eine weitere, in einigen Reiseführern eingesetzte Medien-Funktion ist die Anzeige von Fotogalerien. Auch dies ist aus gedruckten Reiseführern bereits in ähnlicher Form bekannt. Animationen kommen in keiner der Apps vor. Und multimedialer lässt sich Berlin kaum erleben 5 heißt es auf der Internetseite des Anbieters MARCO POLO. Worin dieses Erlebnis bestehen soll bleibt jedoch unklar.


Interaktive und kommunikative Funktionen

Interaktion bedeutet, dass der Nutzer selber aktiv wird, womit auch das Nutzen einer Karte oder das Durchsehen einer Fotogalerie als interaktiv bezeichnet werden kann.

Dieser Abschnitt beschränkt sich auf solche Funktionen, die eine Besonderheit gegenüber diesen bereits beschriebenen darstellen. Interaktive Funktionen besonderer Art bieten die verglichenen Stadtführer nur in geringem Umfang 3.

MARCO POLO bietet seinen Nutzern die Möglichkeit eine Art Notizzettel anzulegen, welcher sich aber vor allem in seinem ansprechenden Design von der von fast allen Reiseführern angebotenen Favoriten-Funktion absetzt. Die Interaktion ist hierbei auf das Kommentieren und Merken bestimmte Orte begrenzt. Was dem Angelegten solcher Favoriten einen erweiterten Nutzen gibt ist eine, aus den markierten Orten errechnete, individuelle Route, die neben MARCO POLO auch von mTrip geboten wird.

Eine interaktive Funktion, die nur mTrip bietet, ist eine Form von Augmented-Reality. Dabei richtet der Benutzer zunächst die Kamera seines Smartphones in eine beliebige Richtung. mTrip zeigt auf dem Display, neben der durch die Kamera übertragenen Umgebung, alle in dieser Richtung und einem bestimmten Umkreis befindlichen Punkte wie Cafés oder Sehenswürdigkeiten in Symbolform an. Dies kann unter Umständen dabei helfen beispielsweise die Position hinter Bäumen versteckter Punkte herauszufinden, ist als eine echte Navigationshilfe in derzeitiger Form jedoch zu umständlich.

Eine echte Besonderheit stellen die interaktiven Grundrisse und Querschnitte innerhalb der mobilen DK Eyewitness Reiseführer dar. Im liebevoll gezeichneten Stil, bereits von den Detailkarten des Guides und den gedruckten Exemplaren bekannt, werden Top-Sehenswürdigkeiten in Form offener 3D-Modelle, Querschnitte oder Grundrisse gezeigt. Einzelne Bildelemente, hinter denen beispielsweise eine besondere Geschichte steckt, oder die architektonisch Bemerkenswert sind, sind mit einem Punkt gekennzeichnet. Wählt der Benutzer diesen Punkt per Touch-Geste aus, öffnet sich ein kleines Fenster mit Informationen zum gewählten Bildteil.

Die Möglichkeit zur Kommunikation wird von vielen der Reiseführer Apps vor allem in Form von Kommentar-, Bewertungs- oder Weiterempfehlungsfunktionen geboten.


Tabellarischer Vergleich der wichtigsten Funktionen

Name der Applikation Karten/avi Routen
vorgeg./eigene
Multimedia
Audio/Video
Favoriten Besonderes
Vergleich: Die Funktionen mobiler Reiseführer für Smartphone oder Tablet PC
CultureKey Amsterdam City x/x x/x x/– x
Die Berliner Mauer Google/x x/x x/x Verlauf der Mauer in Karte
DuMont Reise-Taschenbuch Berlin Google, eigene/x x/x x x
ItalyGuides: Rome Travel Guide eigene/–
Bremen Reiseführer Google/– x/– x/x x Zeitgebunden Touren
Cool Places Travel Guide – Edinburgh Google/x x
mTrip – Berlin Reiseführer x/x x/x x Augmented-Reality Funktion
DK Eyewitness: New York City eigene/x x/x x Illustrierte Karten/ Detail-Bilder
Tourias Travel Guide Berlin Reiseführer Google/x x
Lonely Planet San Francisco eigene/x
MERIAN scout Hamburg Google/x
MARCO POLO – Berlin erleben! x/x x/– –/x x
COOL Berlin Google/x –/x x/x x
Rick Steves’ Historic Paris Walk eigene/– x/– x/x Ausgefallene Navigation