Reiseführer im Vergleich: Ungenutze Möglichkeiten

Die Analyse fünf klassischer Reiseführer, 14 mobiler Stadtführer für Android und iOS, sowie deren Vergleich untereinander hat ergeben, dass die Unterschiede zwischen den aktuellen digitalen und den gedruckten Guides weit geringer sind als erwartet.

Die größten Vorteile der mobilen Guide-Systeme sind umfangreiche Navigationsfunktionen, die das Finden von Orten und der eigenen Position, aber auch das Erstellen eigener und Nutzen vordefinierter Routen vereinfachen. Diese Funktionen stehen bereits seit den Anfängen der mobilen Reiseführer im Fokus und wurden, nicht zuletzt dank Google Maps, kontinuierlich weiter entwickelt. Eine Innovation stellen mobile Navigation und die Verortung von Punkten auf einer Karte aber schon länger nicht mehr dar.

Das Einbinden von Audio- und Videoinhalten ist ein weiterer Vorteil gegenüber gedruckten Reiseführern, welcher von vielen Systemen jedoch nicht voll ausgenutzt wird. Auch hier werden zu einem großen Teil lediglich die, aus dem Bereich der Audioguides seit langem bekannten, Strukturen übernommen und mit dem großen Informationsumfang der Bücher kombiniert.

Mit anderen aktuellen Entwicklungen im mobilen Markt halten die verglichenen Systeme somit kaum schritt. Vorsichtige Ansätze im Bereich der Augmented-Reality (siehe Interaktive und kommunikative Funktionen, Abs. 3), einige liebevoll gestaltete und an das jeweilige Thema angepasste Interfaces, sowie illustrierte Karten, sind die einzigen Besonderheiten und stellen eher eine Ausnahme dar. Letztere finden auch im Printbereich seit längerer Zeit Verwendung und sind keine Innovation mobiler Guide-Systeme.

Doch nicht nur neuartige Funktionen und die Einbindung erlebbarer Multimedia-Inhalte, kommen in aktuellen Guides zu kurz. Auch die inhaltliche Konzeption gestaltet sich bisweilen häufig eintönig und nach dem Rezept: Auflistung möglichst vieler Informationen zu allen touristisch interessanten Orten einer Stadt. Der Fokus liegt damit klar auf dem Umfang, nicht auf redaktionell und inhaltlich hochwertigen und interessanten aufbereiteten Informationen – dabei zeigen gerade die auf spezielle Themen spezialisierten persönlichen Stadtführungen ein enormes Potenzial in diesem Bereich. Eine Thematik erlebbar oder gar unterhaltsam zu machen schafft keiner der untersuchten Stadtführer.

Voraussetzung für herausragende Guide-Systeme im touristischen- oder kulturellen Bereich, mit dem Potential klassische Reiseführer, Audioguides und Stadtführungen nicht zur zu imitieren und zu kombinieren, sind vor allem neue Ideen und der Wille Zeit in die Konzeption und Entwicklung neuer Funktionen wie auch deren Inhalte zu stecken.