Guides, Reise- und Stadtführer als App: Es ist viel möglich

Der Vergleich von gedruckten und digitalen Reiseführern hat die anfängliche Annahmen bestätigt, dass es trotz des großen technologischen Fortschritts inhaltlich wie auch funktional nur wenige Neuerungen gibt. Mehrwerte gegenüber den gedruckten Exemplaren bieten die mobilen Stadtführer vor allem in der Navigation sowie durch die Kombination mit Audioguide-Funktionen – weitere Innovationen jedoch sind eine Seltenheit. Auch das Fokussieren auf spezielle Themen und die entsprechende Anpassung der Gestaltung findet nur selten statt.

Die Analyse des Vergleichs hat drei Bereiche ergeben, die bei der Neukonzeption eines Guides in Bezug auf seine Erlebbarkeit besonders zu beachten sind: Die Art der Inhalte, deren Gestaltung und die Weise, auf die Informationen vermittelt werden. Um aus der Masse bestehender Stadtführer hervorzustechen ist ein interessantes Thema bedeutender als ein möglichst vollständiger Informationsumfang. Auch die hohe Werbewirksamkeit eines Titels, der zugleich Erwartungen weckt und die Thematik verdeutlicht, spielt eine große Rolle. Eine an das Thema angepasste und professionelle Gestaltung ist besonderes für die Glaubhaftigkeit der Inhalte und das stimmige Gesamtbild relevant. Bedeutendstes Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen Guide-Systemen sind jedoch innovative Funktionen. Werden herkömmliche Multimedia-Elemente auf kreative Weise interaktiv gemacht, werden auch die jeweiligen Inhalte für den Nutzer erlebbarer.

Die auf die Beschreibung von möglichen Mehrwerten folgende Konzeption eines innovativen und themenbasierten Stadtführers mit dem Titel Unsichtbares Bremen – Eine Stadt im Wandel der Zeit beruht auf den zuvor gewonnenen Erkenntnissen. Mit dem Sichtbarmachen vergessener, zerstörter, noch nicht erbauter oder unsichtbarer Bauten im Stadtbild Bremens wurde eine spezielle Thematik aufgegriffen, die so in keinem Stadtführer zu finden ist. Neben der inhaltlichen Konzeption einer ca. 2 stündigen Route wurde ein detailliertes und an das Thema angepasstes Corporate Design entwickelt. Die Gestaltung des Interfaces beschränkte sich hierbei auf Tablet PCs. Bestehende Funktionen des als technische Basis dienenden Guide-Systems eMuse wurden hauptsächlich in ihrer Gestaltung angepasst. Abschließend zeigten fünf Beispiele neuartiger Funktionen, wie herkömmliche Multimedia-Elemente in Verbindung mit Interaktions-Konzepten die Stadtführung auf oftmals einfache Weise erlebbar machen können.

Der das Gesamtbild von Unsichtbares Bremen betreffende Design-Prozess ist nahezu abgeschlossen, eine grafische Umsetzung einzelner Routen-Punkte fehlt jedoch zum Teil, die redaktionelle Ausarbeitung fehlt gänzlich. Ein technisches Grundgerüst, bestehend aus Datenbank, Administrationsoberfläche und einigen Grundfunktionen, bietet eMuse bereits. Die Adaption des bestehenden Systems auf Tablet PCs steht jedoch ebenso aus wie die Implementation der hier konzipierten neuen Funktionen.

Mit der künftigen Weiterentwicklung mobiler Geräte wie Smartphones, Tablet PCs oder Datenbrillen, wird auch die Zahl der Möglichkeiten in der Entwicklung innovativer Funktionen steigen. In Verbindung mit der hier behandelten Thematik ist besonders der Blick in Richtung Augmented-Reality-Funktionen vielversprechend. In Zukunft könnte diese Technologie dafür sorgen, dass ganze Bereiche eines Ortes für den Nutzer so sichtbar werden, wie sie früher einmal aussahen oder künftig aussehen könnten. Unsichtbares würde damit noch direkter erlebbar werden.